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Viele Leute mit denen ich spreche erzählen mir, dass sie wüssten welches Thema sie interessiert, in welchem Bereich sie gerne ein Projekt starten würden. Allerdings würde ihnen dazu die passende Idee fehlen. Nun, was benötigt es denn um eine solche Idee zu bekommen?

Wir gehen in dem Szenario davon aus, dass man mit dem besagten Projekt Geld verdienen möchte, eventuell sogar davon leben möchte. Also muss es auch jemanden geben, der in irgendeiner Weise für das Projekt aufkommt – in der Regel also irgendeine Form von Kunden. Stellt sich also die Frage: Für welches Produkt oder welches Service sind Kunden bereit, Geld auszugeben?

Wir geben ja für alle möglichen nützlichen und unnützen Dinge Geld aus, was eine klare Eingrenzung schwierig macht. Allerdings lässt sich wohl guten Gewissens sagen, dass wir besonders gerne Geld ausgeben, um damit Probleme zu lösen. Wir sind hungrig – wir kaufen essen; wir verlieren zuviel Zeit am Arbeitsweg – wir besorgen uns ein Fahrrad; wir haben Zahnschmerzen – wir suchen den Zahnarzt auf. Glücklicherweise übernimmt letzteres die Krankenversicherung. Aber falls das nicht so wäre, wären wir auch so bereit, hohe Summen zu bezahlen, um unseren Schmerzen ein Ende zu setzen. Umso größer das gefühlte Problem, desto eher ist die Bereitschaft vorhanden, Geld für seine Lösung auszugeben. Also gilt: Wenn man ein Problem erkennen kann, hat man bereits einen guten Ansatzpunkt für eine Unternehmensidee gefunden.

Tatsächlich ist es allerdings nicht so einfach, Probleme zu entdecken, die Menschen wirklich beschäftigen. Ich habe in vielerlei Hinsicht keine Ahnung welche Probleme Menschen beschäftigen. Ich weiß nicht, welche Probleme ein Architekt bei der Zeichnung eines Plans hat, wie ich auch nicht weiß welche Probleme ein Anwalt bei der Vorbereitung eines Falls hat. Das liegt einfach daran, dass ich die Lebenswelt solcher Menschen einfach nie kennengelernt habe und mich folglich auch nicht in sie hineinversetzen kann.

Hingegen meine ich, eine Ahnung davon zu haben, welche Probleme ein Medizinstudent vor einer Prüfung hat oder wie es einer älteren Person beim Autofahren gehen mag. Ich habe zwar nicht Medizin studiert, kenne aber das Gefühl von Prüfungsstress, ich bin zwar noch nicht vergreist, habe aber eine Sehschwäche. Entsprechend glaub ich, mir zumindest vorstellen zu können, wie diese Situationen sich für die Personen anfühlen und welche Probleme auftauchen könnten.

Bei anderen Situationen wiederum weiß ich, welche Probleme es gibt. Ich weiß, welche Probleme bei der Planung von Software-Entwicklungen auftauchen wie ich auch weiß, was die üblichen Probleme für Tennis-Anfänger sind. Ich weiß das ganz einfach deshalb, weil ich diese Situationen selbst durchlebt habe und auch andere durch solche Situationen begleitet habe.

Damit wir ein Problem erkennen können, dass sich zu lösen lohnt, müssen wir selbst Erfahrungen in dem jeweiligen Bereich machen.

Was ich damit sagen möchte ist einfach folgendes: Damit wir ein Problem erkennen können, dass sich zu lösen lohnt, müssen wir selbst Erfahrungen in dem jeweiligen Bereich machen. Wenn wir umgekehrt nicht sagen können, welche Probleme es in einem Bereich gibt, liegt es vielleicht einfach nur daran, dass wir uns noch nicht ausreichend mit dem Thema beschäftigt haben – und zwar nicht theoretisch, sondern auf einer ganz pragmatischen Ebene. Welches Problem haben wir ganz persönlich in einer gewissen Situation erkannt? Welche Probleme wurden uns von anderen in ähnlichen Situationen geschildert? Ein Problem muss immer auf einer konkreten Ebene, in einer konkreten Situation für konkrete Menschen beschrieben werden können.

Ein Problem muss immer auf einer konkreten Ebene, in einer konkreten Situation für konkrete Menschen beschrieben werden können.

Ein Beispiel: Ein Bekannter von mir wollte immer einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Gesellschaft leisten. Nachhaltigkeit ist ein Thema, dass ihn schon seit langem beschäftigt hat, nur leider hatte er über lange Zeit keine Geschäfts-Idee. Er wusste also nicht welches konkrete, individuelle Problem er damit adressieren könnte. Seinem eigenen Credo zufolge pflegte er einen veganen Lebensstil (pflanzliche Ernährung ist u.a. weniger ressourcenintensiv). Dabei stieß er für sich selbst auf das Problem, dass die erhältlichen Speisen und Rezepte oft fade schmeckten. Also recherchierte er, wie man vegane Speisen zubereiten kann, die nicht nur nachhaltig und gesund, sondern vor allem auch schmackhaft sind. Er experimentierte mit verschiedenen Rezepten und Zutaten bis er eine ansehnliche Sammlung beisammen hatte. Er hat damit ein Problem erkannt und für sich selbst gelöst. Von hier aus war es nur noch ein kleiner Schritt, dieses Problem auch für andere zu lösen und damit eine seine eigene Geschäftsidee zu verwirklichen.

tl;dr

In jedem Fall gilt: Ein Problem zu erkennen, heißt Bedürfnisse zu verstehen. Das gelingt dann, wenn man sich möglichst tief in eine bestimmte Situation hineinfühlen kann – am Besten, indem man sie selbst durchlebt. Ein individuelles Problem definieren zu können, ist der erste Schritt zu einer guten Geschäfts-Idee.

1 Comment

  • 17. Februar 2018
    Thomas Pieber

    Der Artikel behandelt sehr gut ein wesentliches Thema: Das eigentliche Problem eines Kunden erkennen, indem man sein Umfeld kennenlernt oder noch besser direkt das Problem erlebt.
    Es wird leider viel zu oft (vor allem in Firmenprojekten) gleich nach Kundenbefragungen zum Problem, mit der Umsetzung einer Lösung begonnen. Dieses Dilemma hat schon Henry Ford gut erkannt: „Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde.“
    In diesem Sinne ist der Artikel eine sehr gute Inspiration, nicht nur auf das zu hören was der Kunde möchte, sondern sich ein Bild davon zu machen, was er wirklich braucht.

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