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Was ist eigentlich Business Philosophie?

Der Begriff der „Business Philosophie“ klingt für viele Menschen spannend, für andere befremdlich. Der Grund dafür scheint in beiden Fällen derselbe: Man kann sich nicht so recht vorstellen, welche Bedeutung sich hinter dem Begriff verbirgt. Deshalb erscheint es nur fair, wenn ich im Folgenden einen kurzen Versuch für eine Definition geben möchte.

Zunächst mal lässt sich oberflächlich betrachtet sagen, dass der Vorgang des Philosophierens dadurch charakterisiert ist, dass Dinge tief greifend und von verschiedenen Perspektiven aus betrachtet und analysiert werden. Damit einher geht meist das Phänomen, dass philosophische Betrachtungen relativ viel Zeit in Anspruch nehmen. Schon das alleine erscheint in einer teils hyper-dynamsichen Geschäftswelt, in der wir heute angekommen sind, eine Besonderheit zu sein: Sich für einen Moment zurückzunehmen und nicht nur versuchen, mit all den Entwicklungen, die rund um einen herum geschehen, Schritt halten zu können. Sondern stattdessen auch mal einen differenzierten Blick zu entwickeln, zu analysieren, zu ordnen und schließlich zu bewerten. Einer Wirtschaft, die meist darin bestrebt ist, dass Maximum an Effizienz zu erreichen, indem sie ständig fragt „Wie können wir das noch besser machen?“, ist an vielen Stellen die Fähigkeit abhandengekommen auch mal zu fragen „Was machen wir hier eigentlich?“.

Das kann in einem ethischen Zusammenhang verstanden werden, aber ebenso gut auch in einem pragmatischen. Indem wir nicht jedem Trend nacheifern, der aus dem Silicon Valley zu uns schwappt, sondern die Dinge in unserem ganz speziellen Kontext betrachten, können wir sinnvoller mit der Welt und ihren Entwicklungen umgehen. Nicht jedes Unternehmen muss „agile“ werden, um überleben zu können, nicht jeder Händler muss sein Geschäftsmodell auf E-Commerce transformieren.

Ein Rythmuswechsel zwischen schnell und langsam, ein Wechsel von Zooming-In zu Zooming-Out, die Verbindung von Intuition und Analyse.

1. Begriffe klären

Einen Schritt zurückzutreten, das Tempo bewusst zu drosseln und Entwicklungen differenzierter zu analysieren und sie anschließend zu bewerten ist heute die eigentliche Besonderheit und die zentrale Herausforderung. Business Philosophie soll genau dazu dienen, Begriffe und Entwicklungen in einem größeren Zusammenhang zu betrachten, um sie anschließend besser für den eigenen Kontext einsortieren zu können. Das bedeutet oftmals einfach nur, Begriffe explizit zu klären: Wovon sprechend wir eigentlich, wenn wir „agil“ sagen? Was meinen wir mit „Digitalisierung des Unternehmens“? Diese oder ähnliche Fragen erfordern nicht nur ein kurzes Nachschlagen im Wörterbuch, sondern präzise Analyse. Eine philosophische Kerndisziplin, der in diesem Kontext neue Bedeutung zukommt.
 

2. Verbindungen finden

Der zweite zentrale Bereich des philosophischen Denkens, der in der Geschäftswelt großes Potenzial aufweist, ist jener der „interdisziplinären Re-Kombination“. Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich im Grunde genommen nichts anderes als der Versuch, anhand von Analogien aus anderen Kontexten Rückschlüsse für die eigene Situation zu finden. Wir machen das etwa, wenn wir Lehren aus der Geschichte ziehen (z. B. „Wie uns der Zerfall des Römischen Reichs gelehrt hat, …“) oder indem wir Vergleiche zu anderen Bereichen der Welt ziehen (z. B. „Der Super-Organismus eines Ameisenstaats bietet uns ein Beispiel, wie wir als Unternehmen mit Kommunikationswegen umgehen sollten“).

 

3. Analysieren

Schließlich ist noch ein dritter zentraler Bereich zu nennen, der philosophische Praxis für unternehmerisches Denken relevant macht. Ich möchte diesen Bereich die „simulative Analyse“ nennen. Dieser (wiederum sperrige) Begriff beschreibt den Prozess des modellhaften Denkens, ein „was wäre wenn?“. Was wäre, wenn wir unsere Hierarchischen Entscheidungswege abflachen würden? Was wäre, wenn wir unsere Mitarbeiter selbst über ihr Gehalt entscheiden lassen würden? Fragen dieser Art können ultimativ nur durch empirische Überprüfung beantwortet werden. Doch wir können und wollen nicht alles, was wir entscheiden müssen, auch selbst empirisch überprüfen. Deshalb gilt es, durch Gedankenexperimente Möglichkeiten und Grenzen von Modellen ausfindig zu machen. Durch mentale Simulationen von Situationen können wir letztlich viel schneller und effizienter auf Erkenntnisse stoßen, welche uns ansonsten viel Zeit und Geld gekostet hätten. In einer Zeit, in der „einfach mal ausprobieren“ zur Maxime ernannt wird, sollte nicht vergessen werden, dass zwar nicht alles, aber doch vieles auch erdacht werden kann, bevor es erbaut werden muss.

 

Eine unerwartete Allianz

Philosophie und Geschäftsleben sind auf den ersten Blick so derart konträre Welten, dass auch schnell klar wird, welches enorme Spannungsfeld sich in der Business Philosophie auftut: Ein Rythmuswechsel zwischen schnell und langsam, ein Wechsel von Zooming-In zu Zooming-Out, die Verbindung von Intuition und Analyse. Ein Spannungsfeld, dass es sich selbst zum Ziel macht, Widersprüche und Paradoxien zu erkennen, sich selbst zu hinterfragen und so Wahrheit auf einer höheren Ordnungsebene zu finden. Eine dynamische Wirtschaft benötigt eben nicht nur auch eine Dynamik im Handeln, sondern ebenso eine Dynamik im Denken: Die Business Philosophie. 

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